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Mit der Farbe Blau assoziiert jeder Mensch etwas anderes. Für die Einen ist es die Kraft des Meeres, für Anderen die Weite des Himmels. Manche verbinden mit der Farbe Blau einen Zustand. Wiederum andere erkennen in der Farbe Stärke und Energie. Einige sagen der Farbe Blau nach, dass sie eine beruhigende und entspannende Wirkung hat.

Für Elian symbolisiert die Farbe Blau Sicherheit. Blaue Teller, blaue Becher, blaue Schuhe, blaue Kleidung. Blau ist seine Farbe. Die Farbe, die es für ihn leichter macht, sich in einer Welt zurechtzufinden, die er nicht immer verstehen kann. Eine Welt, die so bunt und Vielfältig ist, dass es manchmal so schwer ist all diese Farben auszuhalten.

 

 

Diagnose: Asperger Syndrom mit Hochbegabung


Elian ist 6 Jahre alt. Vor 3 Jahren hat er die Diagnose Asperger Syndrom mit Hochbegabung erhalten. Nun trägt das Kind einen Namen. Er ist nicht unfreundlich oder kann sich nicht benehmen. Ihm fällt es lediglich schwer soziale, zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktionen zu verstehen und einzuschätzen. Routinen und Strukturen helfen ihm durch seinen Alltag. Mit Veränderungen kann er schwer umgehen. Bilderbücher müssen in der immer gleichen Reihenfolge angeschaut werden. Am liebsten die mit Tieren oder Fahrzeugen. Zu Essen gibt es Gurken und Nudeln, aber die die so schön spiralförmig sind und keine anderen. In den Arm nehmen oder kuscheln weil es ihm ein Bedürfnis ist davon gibt es genau drei Situationen, an die sich Almuth, seine Mutter, erinnern kann. Was aber immer sehr deutlich war, ist der Kontakt zu Lotta dem Familienhund. Mit ihr spielt er, zu ihr hat er eine Beziehung und durch Sie kann er, wenn alles zu viel wird und die vielen Farben des Lebens nicht mehr auszuhalten sind, wieder zur Ruhe kommen. Sie ist sein erster fester Sozialpartner und durch Lotta kann er mit anderen Menschen in Kontakt treten.

 

Die Entscheidung für einen Assistenzhund


Vom Kindergarten in die Schule. Ein schwerer Weg. Verbunden mit vielen Ängsten und Sorgen. Davon abgesehen, versteht Elian nicht, was er in der Schule soll. Schließlich kann er doch lesen, schreiben und rechnen. Das braucht er doch nicht mehr lernen. Mit der Schule verändert sich dann doch alles. Viele Kinder, die er nicht kennt, ein neuer Tagesablauf, eine andere Umgebung und sowieso reichen da blaue Schuhe nicht mehr aus, um sich sicher zu fühlen. Es ist zu bunt.

Mit der Anmeldung an der Schule und im Austausch mit der Schulleitung wurde ein Weg gefunden Elian an einer Regelschule zu unterrichten. Zu diesem Weg gehört ein Assistenzhund für Elian. Es ist Nemo geworden. Liebe auf den ersten Blick. Er hat keine Angst vor lauten Geräuschen und stört sich nicht daran wenn es auch mal hektisch wird. Elians Mutter Almuth bildet den Hund selbst aus. Voraussetzung dafür, dass Nemo mit in die Schule darf, ist eine Integrationskraft, die Elian den Tag über in der Schule begleitet und währenddessen auch die Verantwortung für Nemo trägt. Ausserdem musste Nemo im Vorfeld die Prüfung zum Therapiehund ablegen und bestehen.

 

Assistenzleistungen


Gemeinsam erlernen Elian und Nemo, was getan werden kann wenn es wieder alles zu bunt wird. 

Eine aktive Assistenzleistung von Nemo ist es, seinen Kopf mit Druck auf Elians Beine zu legen, damit ein deutlicher Reiz für Elian spürbar ist. Dabei streichelt Elian Nemo. So kann er sich sortieren und in der Situation wieder zur Ruhe kommen.

Auch hilft Nemo dabei, Elian vor Gefahren zu schützen. Elian reagiert manchmal so auf Situationen, dass er nicht mehr in der Lage ist Gefahren einzuschätzen. Er läuft weg. In diesen Situationen bleibt Nemo immer an seiner Seite und begleitet ihn. Aktiv legt er sich vor Elian hin, versperrt ihm den Weg und bringt ihn dadurch dazu sich wieder in Sicherheit zu begeben. Nur Nemo ist es dann möglich mit Elian in Kontakt zu treten.

 

Elian, Nemo und das Asperger Syndrom


Auf Elians Wunsch hin war Nemos Mutter bei der Einschulung dabei. Schließlich kommen doch alle Mütter zur Einschulung und Nemo wurde nun mal auch eingeschult.

In Anwesenheit von Nemo gelingt es Elian vor Menschengruppen über seinen Hund zu sprechen.

Nicht nur in der Schule auch zu Hause wird Elian von seinem Assistenzhund begleitet. Für die ganze Familie bedeutet die Assistenz durch den Hund sehr viel. Durch Nemo gelingt es Elian flexibler zu sein und Strukturen auch mal beiseite zu legen.

Ein Ausflug auf die Kirmes ist wieder möglich. Elian und seine Schwester Lia fahren einfach so gerne mit den Fahrgeschäften. Was es aber schwierig macht, ist das Drumherum: die vielen Menschen, die Lautstärke, das Gedrängel und die vielen Eindrücke. Mit Nemo an seiner Seite ist es auszuhalten. Und wenn es dann doch zu viel wird, ist es den Eltern möglich über den Hund mit Elian zu kommunizieren. Sie benennen dass es für den Hund zu viel wird und sie besser nach Hause fahren sollten damit es Nemo nachher nicht schlecht geht. Da hat Elian Verständnis für und zeigt Empathie, was ihm sonst nur schwer möglich ist.

 

 

Ein Assistenzhund bedeutet für Elian nicht nur Teilhabe, sondern auch die bunte Farbenpracht des Lebens besser verarbeiten und erleben zu können. Neue Farben kennen und schätzen zu lernen. Veränderungen zu zuzulassen. Neue Strukturen erleben. Selbstbewusstsein und Sicherheit aufzubauen. Es bedeutet, sich nach sechs Jahren blauen Schuhen für rote Schuhe zu entscheiden.

Auf dem Blog „blauistseinefarbe“ berichtet Elians Mutter Almuth sehr liebevoll und ehrlich wie es ist, mit dem nicht offensichtlichen seinen eigenen Weg zu gehen. Was es bedeutet keine Akzeptanz zu erfahren und wie wertvoll Unterstützung ist, um die Individualität aller einzelnen Familienmitglieder zu erkennen und zu wahren.

Hier kommen Sie direkt zum Blog: https://blauistseinefarbe.com/

Sollten Sie mit Almuth und Elian in Kontakt treten wollen oder sich über die Möglichkeiten der Teilhabe für Ihren Alltag informieren wollen, melden Sie sich gerne bei uns.

Vielen Dank an Almuth und Elian für den kleinen Einblick in euren Alltag.